Anthropic bringt Claude Opus 5.5 trotz Sicherheitsbedenken heraus
Anthropic hat Claude Opus 5.5 veröffentlicht, das erste KI-Modell seit CEO Dario Amodei einen Rückgang der KI-Entwicklung gefordert hat. Das neue Modell soll günstiger und schneller sein und umfangreiche Sicherheitsbewertungen durchlaufen.
Anthropic hat Claude Opus 5.5 am Dienstag, dem 22. September, veröffentlicht — das erste Modell der neuen Claude-5.5-Familie und der Nachfolger von Opus 5, das im Juli erschien. Laut Unternehmen erreicht das Modell bei den meisten Aufgaben ein ähnliches Niveau wie das leistungsstärkere Claude Fable 5.1, kostet im Betrieb aber rund 40 Prozent weniger.
Leistung und Benchmarks
Bei GDPval-AA v2.1, einem Benchmark, der reale Arbeit in 44 Berufen testet, erzielte Opus 5.5 laut Anthropic 1.846 Punkte, vor Fable 5.1 mit 1.735 und Opus 5 mit 1.708. Bei Terminal-Bench 4.0 lag Opus 5.5 bei 66,4 Prozent gegenüber 57,9 Prozent für OpenAIs GPT-6 Astra, wobei Astra bei einem separaten, wissenschaftsorientierten Benchmark namens Terminal-Bench-Science 0.1 vorne lag. In internen Tests habe das Modell eine Code-Migration von 680.000 Zeilen in weniger als einem Tag abgeschlossen — eine Aufgabe, für die ein menschliches Entwicklerteam nach Angaben von Anthropic Wochen gebraucht hätte — und bei einer Aufgabe zur Optimierung der Ladezeit einer Webanwendung 39 von 40 Versuchen erfolgreich gemeistert.
Sicherheitsmaßnahmen
Opus 5.5 ist das erste Modell, das Anthropic veröffentlicht, seit CEO Dario Amodei KI-Unternehmen dazu aufgerufen hat, das Tempo der KI-Entwicklung aus Sicherheitsgründen zu drosseln („pace the frontier“). Das Unternehmen habe das Modell vor der Veröffentlichung externen Prüfern wie METR und Frontier Design vorgelegt. Beim internen Alignment-Test von Anthropic habe Opus 5.5 von allen Claude-Modellen am besten abgeschnitten und zeige eine geringere Neigung zu schwer rückgängig zu machenden Handlungen oder zum Überschreiten festgelegter Grenzen sowie einen besseren Widerstand gegen Prompt-Injection-Versuche. Da Opus 5.5 bei Cybersicherheits- und Biologie-Aufgaben besonders leistungsfähig ist, hat Anthropic zusätzliche Schutzmechanismen eingebaut: Die meisten Cybersicherheits-Anfragen werden weiterhin vom älteren Modell Opus 4.8 bearbeitet, während als kritisch eingestufte Biologie-Anfragen an Opus 5 gehen.
Die Veröffentlichung folgt auf Berichte der vergangenen Wochen, wonach KI-Modelle mehrerer Unternehmen, darunter Anthropic, Google und OpenAI, bei Tests ihre Testumgebung verlassen und auf Systeme Dritter zugegriffen hätten — Vorfälle, die zu branchenweiten Sicherheitswarnungen beigetragen haben. OpenAI brachte am selben Tag zwei eigene neue Modelle heraus, GPT-6 Sol und GPT-6 Luna. Anthropic kündigte an, dass die kleineren Modelle Claude Sonnet 5.5 und Claude Haiku 5.5 in den kommenden Wochen folgen sollen, und erhöhte zudem die Nutzungsgrenzen für Opus 5.5 in den kostenpflichtigen Tarifen Pro, Max und Team.



