Deutschlandticket 2027: Warum es 66,80 € kostet und wie die neue Preisformel funktioniert
Ab dem 1. Januar 2027 kostet das Deutschlandticket in Deutschland 66,80 € im Monat. Wie die neue Indexformel zu diesem Preis geführt hat, was Inhaber von Jobticket, Semesterticket und Sozialticket zahlen, welche Zustimmungsfrist für Abonnenten bis zum 30. November gilt und wie es weitergeht.
Das Deutschlandticket, das monatliche Abo für unbegrenzte Fahrten mit Bussen und Bahnen im Nah- und Regionalverkehr in Deutschland, kostet ab dem 1. Januar 2027 66,80 Euro statt bisher 63 Euro. Der Preis wurde am 30. September 2026 bestätigt und von Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) bekannt gegeben, der 2026 den Vorsitz der Verkehrsministerkonferenz (VMK) der Länder innehat. Erstmals wurde der Preis anhand einer Formel festgelegt und nicht politisch ausgehandelt: eines im März 2026 in Lindau beschlossenen Index, der Personal-, Energie- und sonstige Betriebskosten den bis 2030 eingefrorenen Bundes- und Landeszuschüssen gegenüberstellt. Diese Seite erklärt die Formel, die Preise ermäßigter Tickets und was Abonnenten vor der Änderung tun müssen.
Der Preis steigt um 3,80 Euro im Monat, also rund 6 Prozent. Es ist die dritte Erhöhung in drei Jahren: Das Ticket startete im Mai 2023 bei 49 Euro, kostete 2025 dann 58 Euro und 2026 schließlich 63 Euro. Nach Angaben des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) nutzen es rund 14,5 Millionen Menschen. Bestätigt wurde der Preis für 2027 vom Koordinierungsrat Deutschlandticket, dem Abteilungsleiter der Verkehrsministerien von Bund und Ländern angehören. Das bayerische Ministerium nannte Personal-, Energie- und allgemeine Kosten als Grundlage der Anpassung. Die Finanzierung bleibt unverändert: Bund und 16 Länder zahlen jeweils 1,5 Milliarden Euro pro Jahr – ein Betrag, den der Bundesrat im November 2025 bis 2030 sicherte.
Wie funktioniert die neue Preisformel für das Deutschlandticket?
Der Beschluss der VMK vom 25./26. März 2026 (Tagesordnungspunkt 5.2) setzt den Preis anhand eines Kostenindex multipliziert mit einem Wertfaktor fest. Im Kostenindex entfallen 55 Prozent auf Personalkosten (Regionalbahn 16, Busse 27, Straßenbahnen 12), 20 Prozent auf Energie (Diesel 12,8, Strom 7,2) und 25 Prozent auf sonstige Kosten. Grundlage sind öffentliche Statistiken: die Erzeugerpreise des Statistischen Bundesamts für Diesel an Großabnehmer, für Hochspannungsstrom und für Industriegüter ohne Energie, jeweils als Durchschnitt der zwölf Monate bis Juli, sowie drei Lohnindizes für Beschäftigte bei Bahn, Bus und Straßenbahn. Diesel ist der größte einzelne Energiekostenfaktor. Warum die Dieselpreise 2026 Rekordwerte erreichten, erläutert Cupures Hintergrundbericht zu Diesel.
Den Wertfaktor gibt es, weil der Zuschuss von 3 Milliarden Euro nicht indexiert ist: Der Beschluss legt ihn bis zum 31. Dezember 2030 auf netto 2,992 Milliarden Euro (brutto 3,2014 Milliarden Euro) fest. Er entspricht 1 plus dem Zuschuss geteilt durch die Ticketeinnahmen des Vorjahres. Dadurch verstärkt er zunächst Kostensteigerungen, sinkt aber mit wachsenden Einnahmen. Das Ergebnis wird auf 10 Cent gerundet; bei einem negativen Index bleibt der Preis unverändert. Die Privatfirma D-Tix berechnet den Wert, ein Wirtschaftsprüfer kontrolliert ihn, und er muss jedes Jahr bis zum 30. September bekannt gegeben werden. Die VMK veröffentlichte in den für diese Seite geprüften Unterlagen keine einzelnen Eingabewerte für 2027. Vor der Entscheidung schätzte die Umweltorganisation Deutsche Umwelthilfe den Preis auf 66,40 Euro, ausgehend von einem angenommenen Kostenanstieg um 4 Prozent und einem Wertfaktor von 1,35.
Was zahlen Jobticket-Inhaber, Studierende, Schülerinnen und Schüler sowie Rentner?
Das Jobticket kostet ab 2027 laut WirtschaftsWoche 63,46 Euro statt 59,85 Euro. Das sind 95 Prozent des regulären Preises; der Rabatt gilt, wenn der Arbeitgeber mindestens 25 Prozent übernimmt, berichtet der ADAC. Nürnbergs Verkehrsbetrieb VAG gibt einen maximalen Eigenanteil für Beschäftigte von 46,76 Euro an. Das Deutschland-Semesterticket für Studierende wird um 2,28 Euro auf 40,08 Euro teurer und kostet damit 60 Prozent des regulären Preises. Die S-Bahn Berlin nennt dieselben 40,08 Euro als maximalen Eigenanteil für ihr Auszubildendenticket. Einen bundesweiten Rabatt für Schülerinnen und Schüler oder Rentner gibt es nicht: Ermäßigungen legen Länder, Städte oder Verkehrsverbünde fest. Das ermäßigte Ticket in Bayern dürfte laut VAG 46,80 Euro kosten, wenn der Freistaat weiterhin 20 Euro davon übernimmt. Hamburgs Sozialrabatt von 35,50 Euro im Monat senkt den Preis derzeit für Einwohner, die Grundsicherung beziehen – auch im Alter – auf 27,50 Euro. Die Höhe für 2027 wurde noch nicht veröffentlicht.
Müssen Abonnenten der Preiserhöhung zustimmen oder kündigen?
Bei der Deutschen Bahn: ja. Bestehende Abonnenten müssen der Vertragsänderung bis zum 30. November 2026 aktiv im DB-Aboportal oder in der DB-Navigator-App zustimmen. Andernfalls beendet die DB das Abo zum 31. Dezember 2026; bis zu diesem Datum kann es allerdings wieder aktiviert werden. Kundinnen und Kunden, die ab dem 15. Oktober 2026 ein Ticket bestellten, wurden beim Kauf über den neuen Preis informiert und müssen nicht zustimmen. Die S-Bahn Berlin setzt dieselbe Frist bis zum 30. November und teilte mit, sie werde ihre Kunden Ende Oktober anschreiben. Eine reguläre Kündigung ist weiterhin möglich: DB und S-Bahn Berlin nehmen sie bis zum 10. eines Monats entgegen, wirksam wird sie zum Monatsende. Andere regionale Anbieter haben eigene Verfahren. Abonnenten sollten daher das Portal ihres Anbieters prüfen.
Wer kritisiert die Erhöhung – und wer verteidigt sie?
Kritiker beanstanden vor allem den Zeitpunkt: Der Bundestag hat ab Oktober einen dreimonatigen Tankrabatt von 17 Cent pro Liter beschlossen, dessen Kosten der Tagesspiegel auf rund 2,5 Milliarden Euro bezifferte. Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), warnte vor einer automatischen Preisspirale. NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) sagte, die Erhöhung gehe zulasten der Fahrgäste; Jens Hilgenberg vom BUND nannte sie neben dem Tankrabatt unakzeptabel. Die Deutsche Umwelthilfe startete eine Petition für ein 29-Euro-Ticket. Grünen-Chef Felix Banaszak forderte eine Preisbremse. Die Befürworter verweisen auf die Kosten: Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) nannte die Erhöhung vertretbar, Brandenburgs Robert Crumbach (SPD) sagte, das Ticket bleibe sehr günstig, und VDV-Präsident Ingo Wortmann erklärte, die Verkehrsunternehmen könnten die zusätzlichen Kosten nicht auffangen.
Was ist mit Gelegenheitsfahrgästen – und wie geht es weiter?
Nordrhein-Westfalen und Hamburg schlugen einen bundesweiten Smartphone-Tarif vor, bei dem Fahrgäste sich ein- und auschecken, den günstigsten Fahrpreis zahlen und pro Monat nie mehr als für ein Deutschlandticket. Vorbild ist eezy.nrw in Nordrhein-Westfalen. Bei der VMK im bayerischen Schwangau vertagten die Länder den Vorschlag am 21. Oktober 2026. Bilger sagte, die Mittel seien begrenzt, bezeichnete die Idee am 24. Oktober dann aber als interessant. Die wichtigsten Termine: 30. November 2026 – Frist für die Zustimmung bei DB und S-Bahn Berlin; 1. Januar 2027 – der Preis von 66,80 Euro gilt; bis zum 30. September 2027 – Bekanntgabe des Preises für 2028, bei dem erstmals ein Dämpfungsfaktor greift, der 25 Prozent der Mehreinnahmen aus steigenden Ticketverkäufen als geringere Preiserhöhung an die Fahrgäste weitergibt; Frühjahr 2029 – die VMK überprüft die Formel für 2030; 31. Dezember 2030 – Ende des eingefrorenen Zuschusses. Ein Gericht hat zudem höhere Schienenentgelte für 2027 zugelassen, was die Kosten der Verkehrsunternehmen weiter erhöht.
Sources
- Verkehrsministerkonferenz — Beschluss TOP 5.2: Preisindex Deutschlandticket (Lindau, 25/26 March 2026, PDF)
- Deutsche Bahn — Deutschland-Ticket: Kauf, Gültigkeit & Kündigung (price change and consent)
- VAG Nürnberg — Deutschlandticket: neuer Preis ab 1. Januar 2027
- hvv — Sozialrabatt für das Deutschlandticket
- ZDFheute — Deutschlandticket: Bundesrat sichert Finanzierung bis 2030 (21 Nov 2025)
- ADAC — Deutschlandticket im Nahverkehr: So teuer wird es 2027
- epd/Sonntagsblatt — Verkehrsminister: Deutschlandticket ab Januar 3,80 Euro teurer (30 Sep 2026)
- epd/Sonntagsblatt — 3,80 Euro mehr: Kritik am Preisanstieg des Deutschlandtickets
- Der Tagesspiegel — Preis für Deutschlandticket steigt ab Januar auf 66,80 Euro (30 Sep 2026)
- WirtschaftsWoche — Warum das Deutschlandticket ab 2027 teurer wird (30 Sep 2026)
- t-online — Deutschlandticket: Kunden von S-Bahn Berlin müssen Preiserhöhung zustimmen (25 Oct 2026)
- Der Tagesspiegel — Verkehrsminister der Länder wollen Deutschlandticket für Gelegenheitsfahrer (20 Oct 2026)
- Der Tagesspiegel — Crumbach: Nach Preisanstieg Deutschlandticket weiter günstig (6 Oct 2026)
- Deutsche Umwelthilfe — 74 Euro Ticketpreis und 1,8 Millionen weniger Abos bis 2030 prognostiziert (7 Nov 2025)
- Cupure — Neuer Preis für Deutschlands Deutschlandticket wird heute bekannt gegeben
- Cupure — Länder vertagen Vorschlag für ein flexibles Deutschlandticket für Gelegenheitsfahrer
- Cupure — Verkehrsminister der Länder planen bundesweites Nahverkehrsticket für Gelegenheitsfahrer
- Cupure — Deutschlandticket steigert Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs
- Cupure — Bundestag genehmigt Kraftstoffrabatt zur Senkung hoher Benzinpreise
- Cupure — Gericht genehmigt geplante Erhöhung der Schienenmaut für 2027
- Cupure — Warum Diesel 2026 Rekordpreise erreichte – und was sie senken könnte



