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Warum Diesel 2026 Rekordpreise erreichte – und was sie senken könnte

Warum Diesel 2026 Rekordpreise erreichte – und was sie senken könnte

Wie der Iran-Krieg, ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien und Angriffe im Roten Meer die Dieselpreise in den USA, der EU, Deutschland und der Türkei auf Rekordstände trieben, wie Regierungen reagierten und welche Termine darüber entscheiden, wohin sich die Preise als Nächstes entwickeln.

Diesel war im September 2026 in weiten Teilen der Welt der teuerste Kraftstoff für den Straßenverkehr. Die unterbrochenen Exporte aus der Golfregion nach Beginn des US-israelischen Kriegs mit Iran am 28. Februar, ukrainische Drohnenangriffe auf russische Raffinerien und Huthi-Angriffe im Roten Meer trafen Mitteldestillate stärker als Rohöl oder Benzin. US-Diesel kostete am 11. September erstmals mehr als 6 Dollar pro Gallone, Deutschland verzeichnete am 16. September mit 2,453 Euro pro Liter einen Allzeitrekord, der EU-Durchschnitt erreichte am 24. September mit 2,23 Euro einen Rekordwert, und in Istanbul stieg der Preis für türkischen Diesel am 17. September auf mehr als 100 Lira pro Liter. Am 2. Oktober vereinbarte die G7 die Freigabe von bis zu 100 Millionen Barrel Öl und Diesel aus den Reserven. Anfang Oktober gingen die Preise etwas zurück, liegen aber weiterhin weit über dem Vorkriegsniveau.

Warum stieg der Dieselpreis stärker als der Benzinpreis?

Das Kernproblem sind Raffinerien und der Transport, nicht allein das Rohöl. Rohölsorten aus der Golfregion liefern einen hohen Anteil an Diesel und Kerosin, und die Raffinerien der Region exportierten vor dem Krieg deutlich mehr Diesel als Benzin. Das geht aus einer Analyse der New York Times hervor, die Annahar im April zusammenfasste. Keine andere Region verfügte über freie Kapazitäten, um diese Mengen zu ersetzen, und China drosselte seine eigenen Kraftstoffexporte. Die weltweiten Dieselvorräte waren bereits vor Februar knapp. Auch lässt sich die Nachfrage schwerer senken: Lkw, Landmaschinen und Baumaschinen fahren mit Diesel, während Autofahrer ihren Benzinverbrauch reduzieren können. Patrick De Haan von GasBuddy merkte bereits am 7. März an, dass Diesel stärker als Benzin auf die Risiken für den Schiffsverkehr reagiere. In den USA war Diesel binnen einer Woche um 41 Cent auf 4,16 Dollar gestiegen, Benzin kostete 3,25 Dollar. Im Oktober beschrieb die US-Energieinformationsbehörde EIA eine extreme Verknappung auf den Dieselmärkten und wachsende Crack-Spreads – die Raffineriemarge gegenüber dem Rohölpreis.

Zwei weitere Schauplätze verschärften die Lage. Ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien veranlassten Moskau, das Verbot von Diesel-Exporten immer wieder zu verlängern, zuletzt bis zum 31. Oktober. Am 13. September forderte US-Präsident Donald Trump Wolodymyr Selenskyj öffentlich auf, russische Dieselanlagen nicht mehr anzugreifen. Die Attacken verursachten eine weltweite Knappheit, sagte er. Im Roten Meer nahmen Huthi-Kräfte am 10. und 11. September den jemenitischen Hafen Mokha und die Insel Perim an der Meerenge Bab al-Mandab ein. Saudi-Arabien schloss nach Drohnenangriffen seine Ost-West-Pipeline, die wichtigste Umgehungsroute um die Straße von Hormus. Im September lag der Verkehr durch Hormus weiterhin bei etwa 75 Prozent des Vorkriegsniveaus.

Dieselpreise an einer US-Tankstelle, nachdem der landesweite Durchschnitt 6 Dollar pro Gallone überschritten hatte
Foto: Stern

Zeitleiste: der Dieselpreissprung 2026

28. Februar — Beginn des Kriegs mit Iran; Anfang März kommt der Tankerverkehr durch Hormus zum Erliegen. März — IEA-Mitglieder verpflichten sich, 400 Millionen Barrel freizugeben. April — erste Welle von Dieselpreisrekorden in Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden. 4. September — US-Diesel übertrifft mit 5,85 Dollar pro Gallone seinen Rekord von 2022 (AAA). 9. September — Ölpreis steigt erstmals seit Juli über 100 Dollar. 11. September — US-Diesel überschreitet 6 Dollar; Saudi-Arabien schließt die Ost-West-Pipeline. 13. September — Trump fordert Selenskyj auf, Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen. 14. September — Brent überschreitet 107 Dollar. 16. September — Dieselrekord in Deutschland: 2,453 Euro. 22. September — Trump unterstützt ein Verbot von US-Diesel-Exporten. 24. September — EU-Durchschnitt erreicht mit 2,23 Euro einen Rekord. 26.–28. September — Trump weist Irans Vorschlag für eine siebentägige Waffenruhe zurück; der Ölpreis steigt um mehr als 1 Prozent. 2. Oktober — Freigabe von Reserven durch die G7. 9. Oktober — Trump kündigt nach einem Telefonat mit Wladimir Putin eine Vereinbarung über russische Diesel-Lieferungen an.

Wie stark stiegen die Dieselpreise?

USA: Laut AAA lag der landesweite Durchschnitt am 11. September bei 6,05 Dollar und am 24. September bei 6,51 Dollar – fast 3 Dollar mehr als ein Jahr zuvor. Die EIA zufolge lag der September-Durchschnitt bei 6,29 Dollar. Europäische Union: Die von der AFP zusammengestellten Wochendaten der Europäischen Kommission zeigten am 24. September einen Preis von 2,23 Euro pro Liter, gegenüber 2,16 Euro eine Woche zuvor. In 19 Mitgliedstaaten wurde ein Rekord verzeichnet. Am 8. Oktober fiel der Preis auf 2,15 Euro – der erste Rückgang seit einem Monat. Deutschland: Der Tagesdurchschnitt des ADAC erreichte am 16. September 2,453 Euro und übertraf damit den Rekord vom April; an einigen Tankstellen lag der Preis über 3 Euro. Frankreich näherte sich um den 20. September der Marke von 2,41 Euro; Belgien erreichte 2,501 Euro. Im Vereinigten Königreich kostete der Liter am 2. Oktober erstmals 2 Pfund. Am 8. Oktober waren Finnland (2,553 Euro), die Niederlande (2,506 Euro) und Dänemark (2,488 Euro) die teuersten EU-Länder. Die Schätzungen zu den Kosten gehen auseinander: Türkische Medien, die denselben europäischen Bericht zitierten, bezifferten die zusätzlichen täglichen Kosten für die EU-Wirtschaft auf 203 Millionen oder 270 Millionen Euro.

Türkei: Der Dieselpreis stieg binnen drei Tagen um 11,37 Lira und überschritt am 17. September in Istanbul erstmals 100 Lira pro Liter. Benzin kostete etwa 80 Lira, der Unterschied lag bei rund 20 Lira. Danach bewegten sich die Preise mit dem Brent-Ölpreis in beide Richtungen: Für den 18. September wurde eine Senkung um 4,09 Lira erwartet, am 6. Oktober fiel der Dieselpreis um 4,95 Lira und der Abstand zum Benzin verringerte sich auf etwa 5 Lira. Ab dem 10. Oktober stieg er um 6,40 Lira und damit in Istanbul auf über 96 Lira sowie in Ankara und Izmir auf über 97 Lira, während der Benzinpreis um 96 Kuruş sank. Das Ende des türkischen Steuerpuffersystems eşel mobil am 1. Oktober führte zu einer steuerbedingten Erhöhung des Dieselpreises um 3,60 Lira.

Preistafel an einer türkischen Tankstelle, während Diesel sich der Marke von 100 Lira pro Liter näherte
Foto: OdaTV

Wie haben die Regierungen reagiert?

Der größte Schritt erfolgte am 2. Oktober: Die G7 und Partnerländer vereinbarten über die IEA, innerhalb von vier Monaten bis zu 100 Millionen Barrel freizugeben. Dabei sollte in den ersten 20 Tagen besonders viel Diesel auf den Markt kommen. Zudem verpflichteten sich die Staaten, keine Energieexportverbote gegeneinander zu verhängen. Der Brent-Preis fiel um etwa 1,5 Prozent auf rund 100,80 Dollar. Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu erklärte am 7. Oktober, Frankreich werde 10 Millionen Barrel Diesel freigeben, um die Preise um 12 bis 18 Cent zu senken. Die Maßnahmen Washingtons waren widersprüchlich: Trump unterstützte am 22. September ein Diesel-Exportverbot, sagte dann aber am 3. Oktober, es sei nie ernsthaft erwogen worden. Oxford Economics hatte geschätzt, ein solches Verbot könne die europäischen Großhandelspreise für Diesel um 40 bis 50 Prozent erhöhen; Der Spiegel nannte bis zu 25 Prozent. Am 6. Oktober erlaubte Trump vorübergehend die Nutzung von steuerfreiem rotem Diesel auf Autobahnen. Die deutsche Bundesregierung und die Länder einigten sich am 18. September auf eine Senkung der Kraftstoffsteuer um etwa 17 Cent pro Liter vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember. Veronika Grimm vom Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung nannte den Schritt zynisch. Bis zum 5. Oktober lagen die Zapfsäulenpreise laut ADAC wieder über dem Niveau zum Start der Steuersenkung.

Was könnte die Dieselpreise senken – und worauf ist zu achten?

Der wichtigste Hebel sind die tatsächlichen Liefermengen: eine vollständige Wiederöffnung der Straße von Hormus, Sicherheit an der Meerenge Bab al-Mandab – Jemens Armee beanspruchte am 5. Oktober die Kontrolle, was die Huthi bestritten – und Exporte über die saudische Pipeline. Russland genehmigte im Rahmen der Vereinbarung mit den USA am 10. Oktober zunächst den Export von 500.000 Tonnen Diesel. Von der Frankfurter Allgemeinen zitierte Experten bezeichneten dies jedoch als weitgehend symbolisch; deutsche Kommentatoren beschrieben die Freigabe durch die G7 als Signal an den Markt und nicht als dauerhafte Lösung. In ihrer Prognose vom 6. Oktober erwartet die EIA für 2027 einen durchschnittlichen US-Dieselpreis von etwa 4,50 Dollar und für Brent 105 Dollar im vierten Quartal 2026 sowie einen Rückgang auf 84 Dollar im Jahr 2027. Dabei wird angenommen, dass die Lieferströme aus der Golfregion bis zum Jahresende eingeschränkt bleiben. IEA-Chef Fatih Birol warnte, Diesel, dessen Preis sich gegenüber der Zeit vor dem Krieg nahezu verdoppelt habe, werde die Inflation weltweit anheizen. Wichtige Termine: das vorgezogene Freigabefenster der G7 für Diesel bis etwa zum 22. Oktober; das Auslaufen des russischen Exportverbots am 31. Oktober; die US-Zwischenwahlen im November, vor denen Trump erklärte, Iran nicht anzugreifen; die nächste EIA-Prognose am 10. November; weitere türkische Kraftsteuermaßnahmen im November und Dezember; sowie das Auslaufen der deutschen Steuersenkung am 31. Dezember.

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