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Erdbeben in der Türkei 2026: Istanbul-Risiko, Warnungen, was tun
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Erdbeben in der Türkei 2026: Istanbul-Risiko, Warnungen, was tun

Warum es in der Türkei so viele Erdbeben gibt, was die Beben von 1999 und 2023 gezeigt haben, wie wahrscheinlich ein starkes Erdbeben in Istanbul ist und wie viele Gebäude gefährdet sind, warum AFAD und Kandilli unterschiedliche Magnituden melden, wie Warnmeldungen auf dem Handy funktionieren, was bei einem Erdbeben zu tun ist und welche Beben 2025–2026 besonders bemerkenswert waren.

Die Türkei liegt dort, wo die arabische, die afrikanische und die eurasische Platte den Anatolischen Block nach Westen drücken. Deshalb zählt sie zu den erdbebenreichsten Ländern der Region. Beim Erdbeben von İzmit/Gölcük am 17. August 1999 (Magnitude 7,4) kamen je nach zugrunde gelegter offizieller Zahl etwa 17.500 bis 18.400 Menschen ums Leben. Das Erdbeben-Doppelereignis von Kahramanmaraş am 6. Februar 2023 forderte in der Türkei 53.537 Todesopfer, wie Innenminister Ali Yerlikaya am 2. Februar 2024 mitteilte. Istanbul liegt an einem ungebrochenen Abschnitt der Nordanatolischen Verwerfung unter dem Marmarameer. Diese Seite behandelt die Verwerfungen, Risikoeinschätzungen für Istanbul, Daten von AFAD und Kandilli, Handywarnungen, das richtige Verhalten und bedeutende Erdbeben von 2025 bis 2026. Erdbeben lassen sich nicht vorhersagen: Die folgenden Zahlen sind Wahrscheinlichkeiten und Szenarien, keine Datumsangaben.

Warum gibt es in der Türkei so viele Erdbeben?

Der US Geological Survey (USGS) verortet die Erdbeben von 2023 nahe dem Dreifachpunkt der anatolischen, arabischen und afrikanischen Platte, an der Ostanatolischen Verwerfungszone, die dazu beiträgt, Anatolien in Richtung Ägäis zu schieben. Im Norden verläuft die Nordanatolische Verwerfung von der Osttürkei bis zum Marmarameer. Sie verursachte das Erdbeben von Erzincan 1939 (M 7,8), das der USGS als letztes türkisches Beben von vergleichbarer Stärke wie jenes vom Februar 2023 bezeichnet, sowie das Beben von 1999. Eine dritte Ursache ist die Ägäisregion, wo die Erdkruste gedehnt wird und Becken (Gräben) entstehen – ein Muster, das sich in den häufigen mittelstarken Erdbeben im Westen der Türkei zeigt.

Was geschah 1999 und 2023?

Das Erdbeben von 1999 ereignete sich am 17. August um 03:02 Uhr; sein Epizentrum lag in Gölcük, Kocaeli. Die häufig genannte offizielle Opferzahl beträgt 17.480 Tote; ein Parlamentsbericht (TBMM) aus dem Jahr 2010 nannte 18.373, wie Medyascope berichtete. Am 6. Februar 2023 traf das erste Beben Pazarcık um 04:17 Uhr: AFAD gab die Stärke mit 7,7 an, der USGS mit 7,8. Ein zweites Beben nahe Elbistan um 13:24 Uhr erreichte laut AFAD 7,6 und laut USGS 7,5. Der USGS kartierte rund 354 km Bruchzone an der Ostanatolischen Verwerfung und rund 161 km an der Çardak-Verwerfung, mit Versätzen von bis zu 9 Metern. Yerlikaya nannte im Februar 2024 53.537 Tote und 107.213 Verletzte; Minister Murat Kurum sprach von 11 betroffenen Provinzen.

Nächtliches Gedenken am Mahnmal für das Erdbeben von 1999 an der Uferpromenade von Gölcük zum 27. Jahrestag, August 2026
Foto: Habertürk

Wird es in Istanbul ein schweres Erdbeben geben?

Die meisten Seismologen rechnen mit einem schweren Erdbeben am Marmara-Abschnitt, doch die veröffentlichten Wahrscheinlichkeiten hängen von Methode und Schwellenwert ab. Eine 2000 in Science veröffentlichte Studie von Tom Parsons (USGS), Aykut Barka (ITU) und Kollegen bezifferte die Wahrscheinlichkeit starker Erschütterungen in Istanbul innerhalb von 30 Jahren auf 62 % ± 15 %. Eine Neuberechnung von Parsons für den USGS aus dem Jahr 2004 ergab für den Zeitraum 2004–2034 eine Wahrscheinlichkeit von 53 % ± 18 % für ein Beben der Stärke 7 oder höher unter dem Marmarameer und von 41 % ± 14 % für Istanbul selbst. Eine 2016 von Maura Murru geleitete Studie setzte die 30-Jahres-Wahrscheinlichkeit eines Bebens der Stärke 7,3 oder höher bei Istanbul auf 35 % an, beziehungsweise auf 47 % unter Berücksichtigung der zeitlichen Abhängigkeit. Die Unsicherheitsbereiche sind groß; eine Größenordnung von etwa 40 bis 60 % ist daher eine angemessene Zusammenfassung, kein Countdown.

Die Verwerfung ist aktiv, doch die Aktivität verrät nichts über den Zeitpunkt. Am 23. April 2025 erschütterte ein Beben der Stärke 6,2 (AFAD) in etwa 7 km Tiefe das Gebiet vor Silivri. Es riss einen rund 15 km langen Abschnitt des zentralen Marmara-Segments auf; in den ersten Stunden folgten 184 Nachbeben. Zwischen dem 18. und 20. August 2026 ereigneten sich nahe den Prinzeninseln 185 kleine Beben der Stärke 1,4 bis 3,2. Ein Team der Universität Dokuz Eylül unter Leitung von Prof. Hasan Sözbilir stellte fest, dass sie an Verzweigungen der blockierten Adalar-Verwerfung auftraten. Der Erdbebenwissenschaftliche Rat von AFAD erklärte, sie seien kein Vorbeben. Laut USGS gibt es keine Methode, Zeitpunkt, Ort und Stärke eines Erdbebens vorherzusagen. Virale Beiträge mit „deprem tahmini“ (Erdbebenvorhersagen) entbehren daher jeder wissenschaftlichen Grundlage.

Wie viele Gebäude in Istanbul sind gefährdet?

Die wichtigste Schadensstudie ist die Aktualisierung von 2019 durch die Stadtverwaltung von Istanbul (İBB), die gemeinsam mit dem Kandilli-Observatorium erstellt und im Februar 2021 einem Parlamentsausschuss vorgelegt wurde (wie DHA berichtete). Für ein Szenario mit einer Magnitude von 7,5 schätzte sie rund 48.000 Gebäude als schwer oder sehr schwer beschädigt, 146.000 als mittelschwer beschädigt und etwa 15.000 Todesopfer. Das probabilistische Modell kam auf rund 57.000 eingestürzte oder sehr schwer beschädigte Gebäude und 53.000 Todesopfer. Die İBB erklärte, die Zahlen würden überarbeitet. Am 16. August 2026 sagte Minister Kurum, seit 2012 seien in Istanbul im Rahmen der Stadterneuerung (kentsel dönüşüm) 1.298.000 Einheiten erfasst worden: 1.007.000 seien fertiggestellt, bei 291.000 liefen die Arbeiten noch. Einheiten sind Wohnungen und Geschäfte, keine Gebäude; die beiden Zahlen lassen sich daher nicht direkt vergleichen.

Für Neubauten gilt die türkische Erdbebenbauordnung, die am 18. März 2018 veröffentlicht wurde und seit dem 1. Januar 2019 in Kraft ist. Sie regelt auch die Bewertung und Verstärkung bestehender Gebäude. Die obligatorische Erdbebenversicherung wird von DASK betrieben, das 2000 gegründet wurde. Sie deckt Schäden am Gebäude durch Erdbeben sowie durch erdbebenbedingte Brände, Explosionen, Erdrutsche und Tsunamis ab. Seit dem 5. September 2026 endet eine Police mit dem Verkauf eines Hauses; der Verkäufer kann die nicht verbrauchte Prämie zurückfordern.

Ein Geologe zeigt auf das Marmarameer auf der Aktivverwerfungskarte der Türkei 2026 der staatlichen Mineralforschungsbehörde MTA
Foto: Habertürk

Warum geben AFAD und Kandilli unterschiedliche Magnituden an?

AFAD, die staatliche Katastrophenschutzbehörde, führt Erdbeben auf deprem.afad.gov.tr auf; ihre Werte werden in offiziellen Mitteilungen verwendet. Kandilli, das Observatorium der Boğaziçi-Universität, betreibt ein eigenes Messnetz. Die beiden Einrichtungen nutzen unterschiedliche Messstationen und Methoden sowie teils unterschiedliche Magnitudenskalen (lokale Magnitude ML gegenüber Momenten-Magnitude Mw); erste automatische Ergebnisse werden häufig später korrigiert. Am 24. September 2026 gab AFAD die Magnitude des Bebens von Karaköprü (Şanlıurfa) mit ML 5,4 an, während Kandilli zunächst 5,8 und später 5,5 nannte. Die Magnitude misst die freigesetzte Energie; die Intensität (şiddet) beschreibt, wie stark die Erschütterungen an einem bestimmten Ort zu spüren sind.

Wie funktionieren Erdbebenwarnungen in der Türkei?

Die meisten Warnmeldungen auf Handys stammen von Googles Android-Erdbebenwarnsystem, das Handysensoren als eine Art gemeinsames Seismometer nutzt. Am 6. Februar 2023 schätzte das System die Stärke des ersten Bebens auf lediglich 4,5 bis 4,9 und verschickte 469 Warnmeldungen der höchsten Stufe („Take Action“), obwohl etwa 10 Millionen Menschen in einem Umkreis von rund 160 km eine solche Warnung hätten erhalten können. Google räumte das Versagen im Juli 2025 ein, wie BBC und heise berichteten. Am 16. Oktober 2026 erklärte Google, die Warnungen seien in mehr als 200 Ländern und Regionen verfügbar. Die AFAD-App AFAD Acil setzt über das Internet einen Notruf an die 112 ab und übermittelt dabei den Standort; außerdem zeigt sie Sammelplätze an, die auch über e-Devlet abgerufen werden können.

Was sollte man während eines Erdbebens tun?

AFAD empfiehlt „çök, kapan, tutun“ (hinuntergehen, schützen, festhalten): Gehen Sie in die Hocke, schützen Sie Kopf und Nacken, halten Sie sich an etwas Festem fest und bleiben Sie dort, bis die Erschütterungen aufhören. Halten Sie für die ersten 72 Stunden eine deprem çantası (Notfalltasche) bereit: Wasser, Lebensmittel, Pfeife, Taschenlampe, batteriebetriebenes Radio, Erste-Hilfe-Set, Medikamente, Decke, etwas Bargeld und Kopien wichtiger Dokumente. Für Leserinnen und Leser in Deutschland weist das Auswärtige Amt (Stand der Hinweise: 19. Oktober 2026) darauf hin, dass große Teile der Türkei, darunter Istanbul, stark erdbebengefährdet sind. Es rät Reisenden, den Anweisungen von AFAD und den örtlichen Behörden zu folgen, und empfiehlt die Registrierung in der Krisenvorsorgeliste ELEFAND. Vereinbaren Sie im Voraus einen Treffpunkt für die Familie und eine Kontaktperson.

Bedeutende jüngste Erdbeben in der Türkei (2025–2026)

23. April 2025, vor Silivri (Istanbul): Mw 6,2, etwa 7 km Tiefe (AFAD). 10. August 2025, Sındırgı (Balıkesir): 6,1, 11 km Tiefe (AFAD). 27. Oktober 2025, Sındırgı: 6,1; verlassene Gebäude stürzten ein, keine Todesopfer gemeldet (AFAD, laut bianet). 18. Juli 2026, Battalgazi (Malatya): 5,0, keine Schäden gemeldet. 18.–20. August 2026, Marmarameer vor den Prinzeninseln: Serie von 185 kleinen Beben. 21. September 2026, Saimbeyli (Adana): 5,0 (AFAD). 24. September 2026, Karaköprü (Şanlıurfa): ML 5,4 laut AFAD, 5,5 laut Kandilli. 4. Oktober 2026, Saimbeyli: zwei Beben der Stärke 4,8 und 4,9 innerhalb von 17 Minuten, gefolgt von einem Beben der Stärke 5,2 in Sumbas, Osmaniye (AFAD). 10. Oktober 2026, Marmarameer nahe Yalova: 3,5, in Istanbul zu spüren. Diese Seite wird nach jedem Erdbeben der Stärke 5 oder höher in der Türkei aktualisiert, ebenso wenn die İBB überarbeitete Schadensschätzungen veröffentlicht und das Ministerium neue Zahlen zur Stadterneuerung meldet.

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